Mehrsprachige Website erstellen: was wirklich zählt
Das Wichtigste in Kürze
- Eine zweite Sprachversion ist kein übersetzter Text, sondern eine eigene technische Struktur.
- Ohne korrekte hreflang-Auszeichnung spielt Google die falsche Sprachversion aus oder wertet Seiten als Duplikate.
- Automatische Übersetzungs-Plugins erzeugen häufig genau diese Fehler.
- Nachträglich mehrsprachig zu werden ist fast immer teurer als von Anfang an geplant.
- Aufpreis für eine zusätzliche Sprache: realistisch 20 bis 40 Prozent, nicht das Doppelte.
Die häufigste Fehlannahme bei mehrsprachigen Websites: Man nimmt die bestehende Seite, lässt die Texte übersetzen und ist fertig. Technisch funktioniert das oft sogar. Dann steht die englische Version online, sieht gut aus, und niemand findet sie.
Der Grund ist, dass eine Sprachversion für Suchmaschinen eine eigene Seite ist, die eigene Signale braucht. Fehlen diese Signale, passiert eines von zwei Dingen: Google wertet die Versionen als doppelten Inhalt, oder Google zeigt Nutzern die falsche Sprache. Beides kostet Sichtbarkeit.
Dieser Artikel erklärt, was eine mehrsprachige Website technisch ausmacht, welche Fehler am häufigsten vorkommen und woran Sie ein durchdachtes Angebot erkennen.
Inhalt
Wann sich Mehrsprachigkeit lohnt
Nicht jedes Unternehmen braucht eine zweite Sprache. Sinnvoll ist sie in klar umrissenen Fällen.
Internationale Kunden oder Investoren. Forschungsnahe und exportorientierte Betriebe brauchen eine englische Version, weil Ansprechpartner im Ausland sitzen. In Regionen mit hoher Forschungsdichte ist das eher Regel als Ausnahme.
Zielgruppen im Inland, die eine andere Sprache sprechen. Ein erheblicher Teil des Mittelstands in Deutschland wird von Menschen geführt, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Wer diese Gruppe erreichen will, tut das in ihrer Sprache.
Grenznahe oder mehrsprachige Märkte. Wer nach Österreich, in die Schweiz oder in Nachbarländer verkauft, hat andere sprachliche Anforderungen als ein rein regionaler Anbieter.
Kein guter Grund ist dagegen die Annahme, mehr Sprachen brächten automatisch mehr Reichweite. Eine schlecht gepflegte zweite Sprachversion mit veralteten Inhalten schadet mehr, als sie nutzt.
Die drei Grundentscheidungen
Bevor eine Zeile Code entsteht, sind drei Fragen zu klären.
Welche URL-Struktur
Es gibt drei gängige Wege, Sprachversionen zu adressieren.
Unterverzeichnisse wie example.de/en/ sind für die meisten Projekte die beste Wahl. Alle Sprachversionen teilen sich die Autorität einer Domain, die Verwaltung ist einfach, Hosting bleibt eines.
Subdomains wie en.example.de trennen die Versionen stärker. Das kann sinnvoll sein, wenn Länderorganisationen eigenständig arbeiten, bringt aber Aufwand mit sich.
Eigene Länderdomains wie example.fr senden das stärkste geografische Signal, sind aber teuer in Anschaffung und Pflege und teilen keine Autorität untereinander.
Für ein mittelständisches Unternehmen mit zwei bis vier Sprachen sind Unterverzeichnisse fast immer richtig.
Sprache oder Region
Zielen Sie auf eine Sprache oder auf ein Land? Das ist nicht dasselbe. Englisch für Großbritannien und Englisch für die USA sind unterschiedliche Zielgruppen mit unterschiedlichen Schreibweisen und Preisen. Wer nur eine allgemeine englische Version braucht, sollte sie auch als solche auszeichnen und nicht auf ein einzelnes Land festlegen.
Vollständige Übersetzung oder Teilbereich
Muss jede Seite in jeder Sprache existieren? Häufig nicht. Ein Blogartikel über lokale Themen braucht keine englische Fassung. Wichtig ist nur, dass die Technik damit umgehen kann und nicht auf nicht existierende Seiten verweist.
hreflang: der Teil, der am häufigsten schiefgeht
Die hreflang-Auszeichnung sagt Suchmaschinen, welche Sprachversionen einer Seite existieren und für wen sie gedacht sind. Sie ist der wichtigste technische Baustein und gleichzeitig der fehleranfälligste.
Vier Fehler kommen immer wieder vor.
Fehlende Gegenseitigkeit. Wenn die deutsche Seite auf die englische verweist, die englische aber nicht zurück auf die deutsche, ignoriert Google die gesamte Auszeichnung. Alle Sprachversionen müssen sich gegenseitig kennen, und jede Seite muss auch auf sich selbst verweisen.
Relative statt absolute Adressen. hreflang-Verweise brauchen vollständige URLs inklusive Protokoll und Domain.
Verweise auf weitergeleitete oder nicht existierende Seiten. Wenn eine Sprachversion nicht existiert, darf sie nicht ausgezeichnet werden. Automatisch generierte Verweise auf theoretisch mögliche, praktisch fehlende Seiten sind ein verbreiteter Fehler.
Fehlendes x-default. Dieser Eintrag sagt Google, welche Version Nutzern gezeigt wird, für die keine passende Sprache existiert. Ohne ihn trifft Google die Entscheidung selbst.
Diese Fehler sind unsichtbar. Die Seite sieht für Besucher völlig normal aus. Auffallen tut es erst, wenn Sie in der Search Console sehen, dass die falsche Sprachversion in den Suchergebnissen erscheint, oder wenn Sprachversionen gar nicht indexiert werden.
Warum Übersetzungs-Plugins problematisch sind
Für gängige Redaktionssysteme gibt es Erweiterungen, die eine Website per Klick mehrsprachig machen. Der Reiz ist verständlich: schnell, günstig, ohne Umbau.
Die Probleme zeigen sich später.
Automatisch erzeugte Übersetzungen sind sprachlich oft grenzwertig und für Suchmaschinen wenig wertvoll. Fachbegriffe, Produktnamen und rechtliche Formulierungen leiden zuerst.
Dazu kommt die technische Seite. Manche Lösungen erzeugen Sprachversionen über Parameter statt sauberer URLs, setzen hreflang unvollständig oder verweisen auf Seiten, die es nicht gibt. Ich habe Projekte übernommen, bei denen genau das passiert war und Google monatelang die falsche Sprachversion ausgespielt hat. Die Korrektur war aufwendiger, als es die saubere Lösung von Anfang an gewesen wäre.
Ein weiterer Punkt betrifft die Pflege. Wird ein Text in der Hauptsprache geändert, laufen die Übersetzungen auseinander, wenn kein Prozess dafür existiert. Nach einem Jahr steht in der englischen Version ein Preis, den es nicht mehr gibt.
Was oft vergessen wird
Über den reinen Text hinaus gibt es Details, die den Unterschied zwischen einer übersetzten und einer wirklich mehrsprachigen Seite ausmachen.
- Metadaten je Sprache. Titel und Beschreibung in den Suchergebnissen müssen übersetzt sein, sonst erscheint in der englischen Suche ein deutscher Snippet.
- Sprachauszeichnung im HTML. Jede Version braucht die korrekte Sprachangabe. Screenreader entscheiden daran, mit welcher Aussprache sie vorlesen.
- Formate. Datum, Zahlen, Währungen und Adressen unterscheiden sich. Ein amerikanisches Datum in einer deutschen Rechnung ist ein Fehler.
- Formulare und Fehlermeldungen. Häufig übersehen, weil sie im Code stecken und nicht im Redaktionssystem.
- Rechtliche Seiten. Impressum und Datenschutzerklärung sollten in allen angebotenen Sprachen verfügbar sein.
- Bilder mit Text. Grafiken mit eingebautem Text müssen je Sprache existieren oder textfrei gestaltet werden.
- Sprachumschalter. Er sollte die aktuelle Seite in der anderen Sprache öffnen, nicht die Startseite. Und Sprachen gehören in ihrer eigenen Schreibweise benannt: Deutsch, English, Українська.
Der letzte Punkt wirkt klein, wird aber ständig falsch gemacht. Wenn ein Nutzer auf einer Unterseite die Sprache wechselt und auf der Startseite landet, ist er meist weg.
Ein Beispiel aus der Praxis
Für eine Künstlerin habe ich einen Auftritt in vier Sprachen gebaut: Ukrainisch, Englisch, Polnisch und Deutsch. Vier Sprachen heißt vier vollständige Versionen jeder Seite, vier Sätze Metadaten, und bei einzelnen Werken jeweils eigene Beschreibungen.
Die Erkenntnis daraus: Der Übersetzungsaufwand ist kalkulierbar. Der eigentliche Aufwand steckt in der Struktur, die verhindert, dass die Versionen auseinanderlaufen. Wenn ein neues Werk hinzukommt, muss klar sein, was in welcher Sprache gepflegt wird und was passiert, wenn eine Sprache fehlt.
Bei einem Projekt für eine Übersetzerin mit vier Sprachpaaren kam eine zweite Erkenntnis dazu: Deutsche Rechtsanforderungen wie Impressum und Datenschutzerklärung sollten von Anfang an in die Planung, nicht am Ende. Nachträglich in vier Sprachversionen eingebaut, ist es unnötig mühsam.
Was mehrsprachige Websites kosten
Eine zusätzliche Sprache verdoppelt den Preis nicht. Design, Konzept und technische Grundlage entstehen einmal. Was dazukommt:
- Aufbau der Sprachstruktur und hreflang-Auszeichnung, einmalig
- Übersetzung der Inhalte, abhängig von der Textmenge
- Übersetzte Metadaten für jede Seite
- Zusätzlicher Prüfaufwand pro Sprachversion
Als Richtwert: Eine zweite Sprache schlägt bei einem sauber geplanten Projekt mit etwa 20 bis 40 Prozent Aufpreis zu Buche, jede weitere mit weniger. Voraussetzung ist, dass Mehrsprachigkeit von Anfang an eingeplant war.
Nachträglich wird es teurer, weil URL-Struktur, Datenhaltung und Navigation umgebaut werden müssen. Wenn Sie auch nur ahnen, dass eine zweite Sprache kommt, sagen Sie es beim ersten Gespräch. Die Struktur dafür vorzubereiten kostet fast nichts. Sie später einzuziehen kostet spürbar.
Meine Preise für mehrsprachige Websites beginnen bei 3.900 Euro. Übersetzungen sind darin nicht enthalten, sofern nicht ausdrücklich vereinbart.
Woran Sie ein durchdachtes Angebot erkennen
- Es wird gefragt, welche Sprachen und welche Zielregionen gemeint sind, nicht nur wie viele
- Die URL-Struktur wird benannt und begründet
- hreflang und x-default kommen vor
- Es wird geklärt, ob wirklich jede Seite in jeder Sprache existieren muss
- Übersetzte Metadaten sind Teil des Leistungsumfangs, nicht nur der Fließtext
- Es gibt eine Antwort auf die Frage, wie Sie Inhalte künftig pflegen
Wenn ein Angebot Mehrsprachigkeit als Zeile mit Pauschalpreis führt und keine dieser Fragen stellt, ist wahrscheinlich ein Plugin gemeint.
Häufige Fragen
Reicht Google Translate oder ein automatischer Übersetzer? Für ein erstes Verständnis ja, für eine öffentliche Unternehmensseite nein. Maschinelle Übersetzungen ohne redaktionelle Nachbearbeitung sind sprachlich unzuverlässig und schaden dem Eindruck. Sinnvoll ist maschinelle Vorübersetzung mit anschließender menschlicher Überarbeitung.
Schadet doppelter Inhalt in mehreren Sprachen? Nein, solange die Sprachversionen korrekt ausgezeichnet sind. Übersetzte Inhalte gelten nicht als doppelter Inhalt. Problematisch wird es nur, wenn hreflang fehlt oder falsch gesetzt ist.
Soll die Sprache automatisch nach Browsereinstellung umgeschaltet werden? Mit Vorsicht. Eine automatische Weiterleitung kann Suchmaschinen behindern und Nutzer irritieren, die bewusst eine andere Sprache wollen. Besser ist ein sichtbarer Hinweis mit Wahlmöglichkeit, während die aufgerufene URL erreichbar bleibt.
Wie prüfe ich, ob meine hreflang-Auszeichnung stimmt? Die Google Search Console zeigt Berichte zur internationalen Ausrichtung. Für einen technischen Durchlauf eignet sich ein Crawler wie Screaming Frog, der bis 500 Adressen kostenlos ist und fehlende Gegenseitigkeit zuverlässig findet.
Muss ich alle Inhalte übersetzen? Nein. Übersetzen Sie, was für die jeweilige Zielgruppe relevant ist. Wichtig ist nur, dass die Technik korrekt abbildet, welche Seiten in welcher Sprache existieren.
Fazit
Mehrsprachigkeit ist eine Strukturentscheidung, keine Übersetzungsaufgabe. Der Text ist der sichtbare Teil, aber die Arbeit steckt in URL-Struktur, korrekter Auszeichnung und einem Pflegeprozess, der verhindert, dass die Versionen auseinanderlaufen.
Wer das von Anfang an mitplant, zahlt einen überschaubaren Aufpreis. Wer es nachträglich einzieht, zahlt für den Umbau.
Wenn Sie überlegen, ob und in welchen Sprachen Ihre Website sinnvoll ist: Schreiben Sie mir, wen Sie erreichen wollen. Manchmal lautet die ehrliche Antwort, dass eine gute einsprachige Seite mehr bringt als drei halbfertige.