Zum Hauptinhalt springen
Alle Artikel
Branchen

Website für Gewerbe: was Sie wirklich brauchen

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Website ist für Gewerbetreibende nicht vorgeschrieben, aber ohne sie finden Kunden Sie nicht über Google.
  • Impressum und Datenschutzerklärung sind auf jedem gewerblichen Webauftritt Pflicht — ohne droht eine Abmahnung.
  • Eine funktionale Landingpage gibt es ab 1.200 €, eine Unternehmensseite ab 2.500 €.
  • Ein Google Business Profil ist kostenlos und für lokale Betriebe oft wirkungsvoller als jede Website.
  • Starten Sie mit dem Minimum, das funktioniert. Erweitern können Sie immer noch.

Sie haben ein Gewerbe angemeldet, die ersten Aufträge kommen über Empfehlungen. Irgendwann stellt sich die Frage: Brauche ich eine Website?

Die ehrliche Antwort: gesetzlich nicht. Aber ohne Website existieren Sie für Google nicht. Und wer bei Google nicht existiert, verliert Kunden an Wettbewerber — nicht weil die besser sind, sondern weil sie auffindbar sind.

Dieser Artikel erklärt, was ein Gewerbetreibender auf seiner Website tatsächlich braucht, was gesetzlich vorgeschrieben ist und was man getrost weglassen kann.

Inhalt
  1. Was das Gesetz verlangt
  2. Was auf die Website gehört
  3. Google Business Profil — kostenlos und oft wichtiger als die Website
  4. Was eine Website für Gewerbetreibende kostet
  5. Baukasten oder individuelle Entwicklung
  6. Typische Fehler
  7. Schritt für Schritt
  8. Häufige Fragen
  9. Fazit

Was das Gesetz verlangt

Sobald ein gewerblicher Webauftritt online ist, gelten zwei Pflichten. Auch für Einzelunternehmer.

Impressum

Pflichtangaben nach § 5 Digitale-Dienste-Gesetz: vollständiger Name, ladungsfähige Anschrift (kein Postfach), E-Mail-Adresse, Telefonnummer, bei Vorhandensein Umsatzsteuer-ID und Handelsregisternummer.

Das Impressum muss von jeder Seite in maximal zwei Klicks erreichbar sein. Fehlt es oder ist es unvollständig, ist das ein typischer Anlass für eine Abmahnung durch Mitbewerber. Kosten im Erstfall: 500 bis 1.500 Euro.

Datenschutzerklärung

Beschreibt, welche Daten Ihre Website erhebt und warum. Kontaktformular, Serverprotokolle, eingebettete Karten, Analysewerkzeuge — alles muss genannt werden. Kostenlose Generatoren liefern einen brauchbaren Entwurf. Wer sichergehen will, lässt ihn einmal anwaltlich prüfen (200–500 Euro).

Nur nötig, wenn nicht-funktionale Cookies gesetzt werden: Analyse, Werbung, eingebettete Videos. Eine reine Informationsseite ohne solche Dienste braucht keinen Cookie-Banner.

Schriftarten

Google Fonts direkt von Googles Servern zu laden überträgt die IP-Adresse des Besuchers ohne Einwilligung. Darüber wurde in Deutschland bereits geurteilt. Schriften gehören lokal eingebunden.

Was auf die Website gehört

Nicht alles, was Agenturen anbieten, brauchen Sie. Hier ist das, was tatsächlich funktioniert.

Für lokale Betriebe

  • Wer Sie sind und was Sie machen — erkennbar auf dem ersten Bildschirm
  • Welche Leistungen, in welchem Gebiet
  • Kontaktmöglichkeit: Telefon, E-Mail, eventuell WhatsApp
  • Öffnungszeiten
  • Impressum und Datenschutzerklärung
  • Mobilfähig — mehr als die Hälfte der Besucher kommt vom Smartphone

Das reicht für den Start. Blog, Buchungssystem, Bildergalerie — das kommt später, wenn das Fundament steht.

Was Sie am Anfang NICHT brauchen

  • Einen Onlineshop (wenn Sie keine Waren verkaufen)
  • Chatbot
  • Animationen und Videohintergründe
  • Einen Blog ohne Inhalte
  • Eine mobile App

Jede dieser Funktionen kostet Geld und Aufmerksamkeit. Sinnvoll werden sie erst, wenn die Grundversion Anfragen bringt.

Google Business Profil — kostenlos und oft wichtiger als die Website

Für lokale Betriebe ist das Google Business Profil der schnellste Weg zur Sichtbarkeit. Es ist kostenlos, erscheint direkt in der Google-Suche und auf Google Maps.

Was zu tun ist:

  1. Registrieren auf business.google.com
  2. Kategorie und Einzugsgebiet angeben
  3. Verifizierung durchlaufen
  4. Fotos und Leistungsbeschreibung hinzufügen
  5. Erste Kunden um eine Bewertung bitten

Drei bis fünf Bewertungen mit guter Note bringen für die lokale Sichtbarkeit mehr als zehn Blogartikel. Website und Profil arbeiten zusammen: Im Profil steht der Link zur Website, die Website bestätigt die Angaben aus dem Profil.

Was eine Website für Gewerbetreibende kostet

Variante Was Sie bekommen Preis
Baukasten (Wix, Jimdo) Template-Seite, begrenzte Möglichkeiten 10–30 €/Monat dauerhaft
Landingpage vom Entwickler Individueller One-Pager ab 1.200 € einmalig
Unternehmenswebsite (5–8 Seiten) Eigene Leistungsseiten, SEO-Grundlage, Recht ab 2.500 € einmalig
Mehrsprachige Website Zwei oder mehr Sprachen, saubere Struktur ab 3.900 € einmalig

Laufende Kosten: Domain 10–20 €/Jahr, Hosting 0–50 €/Monat, Wartung 20–150 €/Monat.

Was Websites generell kosten und worauf Sie bei Angeboten achten sollten, habe ich in einem eigenen Artikel beschrieben.

Baukasten oder individuelle Entwicklung

Baukasten passt, wenn: minimales Budget, schneller Start, keine besonderen Anforderungen, Übergangslösung für die ersten Monate.

Individuelle Entwicklung passt, wenn: langfristiger Einsatz geplant, Geschwindigkeit und Sicherheit wichtig, Mehrsprachigkeit nötig, alle Zugänge sollen Ihnen gehören.

Die Rechnung über drei Jahre: Ein Baukasten für 25 €/Monat kostet 900 €. Eine individuelle Landingpage für 1.200 € zahlt sich ab dem dritten Jahr aus.

Typische Fehler

Die Website aufschieben, bis das Geschäft läuft. Ohne Website wächst das Geschäft langsamer, weil Sie über Google nicht gefunden werden.

Am Impressum sparen. Fünf Minuten Arbeit mit einem Generator. Die Alternative ist eine Abmahnung ab 500 Euro.

Alle Zugänge beim Anbieter lassen. Domain, Hosting und Quellcode gehören auf Ihre eigenen Konten. Sonst sind Sie abhängig.

Kein Google Business Profil anlegen. Kostenlos, 30 Minuten Aufwand, sofortige Wirkung im lokalen Suchergebnis.

Schritt für Schritt

  1. Google Business Profil anlegen — kostenlos, 30 Minuten
  2. Bedarf klären — Landingpage oder vollständige Website, ein oder mehrere Sprachen
  3. Zwei bis drei Angebote einholen — Leistungsumfang vergleichen, nicht den Preis
  4. Rechtliche Pflichten prüfen — Impressum, Datenschutz, Cookie-Lösung
  5. Zugänge sichern — Domain, Hosting und Code auf Ihren Namen
  6. Bewertungen sammeln — die ersten drei bis fünf sind entscheidend

Häufige Fragen

Brauche ich als Gewerbetreibender eine Website? Gesetzlich nicht. Praktisch ja, wenn Sie über Google gefunden werden wollen.

Reicht ein Social-Media-Profil statt einer Website? Für den Anfang kann es funktionieren. Aber: Social-Media-Profile gehören der Plattform, nicht Ihnen. Eine eigene Website ist Ihr Raum, den niemand sperren kann.

Was kostet die günstigste sinnvolle Website? Ab etwa 1.200 Euro für einen individuellen One-Pager mit Impressum, Datenschutz und mobilem Design.

Muss meine Website barrierefrei sein? Für Kleinstunternehmen unter zehn Beschäftigten und zwei Millionen Euro Umsatz gilt bei Dienstleistungen eine Ausnahme. Details im Artikel zum BFSG.

Fazit

Eine Website für ein Gewerbe muss keine 10.000 Euro kosten und keine 50 Seiten haben. Starten Sie mit dem, was funktioniert: einem sauberen Auftritt, der gefunden wird, rechtlich sauber ist und Anfragen ermöglicht. Alles andere kommt, wenn es gebraucht wird.

Wenn Sie wissen möchten, was für Ihr Gewerbe sinnvoll ist: Beschreiben Sie kurz, was Sie anbieten. Sie bekommen eine ehrliche Einschätzung, auch wenn sie lautet, dass ein kostenloses Google Business Profil erst einmal reicht.