Zum Hauptinhalt springen
Alle Artikel
Technik

Wix, Jimdo oder Webdesigner? Eine ehrliche Entscheidungshilfe

Das Wichtigste in Kürze

  • Für eine schlichte Visitenkarte ohne Wachstumspläne ist ein Baukasten oft die richtige und günstigere Wahl.
  • Wix erlaubt weder den Export der Website noch den Umzug zu einem anderen Anbieter — wer geht, baut neu.
  • Jimdo sitzt in Hamburg und ist bei DSGVO und Rechtstexten deutlich besser aufgestellt.
  • Die eigentlichen Kosten eines Baukastens sind selten das Abo, sondern die eigenen Abende.
  • Entscheidend ist nicht der Preis zum Start, sondern wie lange die Seite halten soll.

Ich baue beruflich Websites und rate trotzdem manchen Kunden zu Jimdo. Nicht aus Bescheidenheit — sondern weil es für sie schlicht die richtige Antwort ist.

Die meisten Vergleiche zu diesem Thema stammen entweder von Baukasten-Anbietern oder von Agenturen. Beide wissen vorher, was herauskommen soll. Dieser Text versucht es andersherum: Er beschreibt, wann welche Lösung passt, auch wenn die Antwort lautet, dass Sie mich nicht brauchen.

Die eigentliche Frage ist selten, ob ein Baukasten gut genug ist. Sie lautet: Passt er in drei Jahren noch?

Inhalt
  1. Wann ein Baukasten genau richtig ist
  2. Wo es eng wird
  3. Die Falle schnappt im dritten Jahr zu
  4. Wix und Jimdo sind nicht dasselbe
  5. Was es wirklich kostet
  6. Fünf Fragen, die entscheiden
  7. Häufige Fragen
  8. Kurz zusammengefasst

Wann ein Baukasten genau richtig ist

Es gibt Fälle, in denen ein Entwickler Geld verbrennt, das Sie anderswo besser einsetzen.

Sie brauchen eine digitale Visitenkarte. Wer Sie sind, was Sie anbieten, wie man Sie erreicht. Drei, vier Seiten, die sich kaum ändern. Das kann ein Baukasten sauber abbilden.

Sie wollen selbst Hand anlegen. Manche Menschen haben Freude daran, Texte umzustellen und Bilder zu tauschen. Für sie ist ein Baukasten kein Kompromiss, sondern ein Werkzeug.

Sie testen eine Idee. Bevor Sie wissen, ob ein Angebot trägt, ist eine schnelle Seite besser als eine perfekte. Scheitert die Idee, haben Sie wenig verloren.

Das Budget ist wirklich knapp. Nicht »eigentlich knapp«, sondern tatsächlich. Dann ist eine eigene Baukasten-Seite besser als gar keine.

Wenn einer dieser Punkte Ihre Lage beschreibt und Sie keine Wachstumspläne für die Website haben — nehmen Sie einen Baukasten. Ernsthaft.

Wo es eng wird

Die Grenzen zeigen sich selten am ersten Tag. Sie zeigen sich, wenn die Anforderungen wachsen.

Ladezeit. Baukästen laden viel Code, den Ihre Seite gar nicht nutzt, weil derselbe Unterbau für alle Kunden funktionieren muss. Auf dem Smartphone und bei schwachem Netz merkt man das. Google auch — die Ladezeit fließt ins Ranking ein, wie im Artikel zu Core Web Vitals beschrieben.

Mehrsprachigkeit. Eine zweite Sprachversion lässt sich zwar einschalten, sauber technisch umgesetzt ist sie dann aber nicht immer. Und falsch gesetzte Sprachsignale führen dazu, dass Google die falsche Version ausspielt.

Alles, was nicht vorgesehen ist. Eine besondere Buchungslogik, eine Schnittstelle zu Ihrer Warenwirtschaft, ein eigener Rechner. Sie können nur das bauen, was der Anbieter erlaubt.

Der Eindruck. Baukasten-Vorlagen sind gut gemacht — und genau deshalb erkennt man sie. Wer im Wettbewerb um Aufträge steht, bei denen es um Vertrauen geht, sieht dann aus wie viele andere.

Die Falle schnappt im dritten Jahr zu

Hier liegt der Punkt, über den kaum ein Vergleich spricht, weil er erst spät relevant wird.

Bei Wix können Sie Ihre Website nicht mitnehmen. Backup-Dateien lassen sich nicht auf den eigenen Rechner exportieren. Eine Wix-Seite lässt sich nicht bei einem anderen Hoster betreiben. Und die Inhalte lassen sich nicht zu WordPress, Jimdo oder einem anderen System übertragen.

Auch Jimdo bietet keinen klassischen Import und Export. Wer wechselt, überträgt die Inhalte von Hand.

Was das praktisch bedeutet: Erhöht der Anbieter die Preise oder streicht eine Funktion, haben Sie zwei Optionen. Bleiben und schlucken — oder neu bauen. Einen dritten Weg gibt es nicht.

Das ist kein Argument gegen Baukästen. Es ist ein Argument dafür, die Entscheidung mit offenen Augen zu treffen. Wer weiß, dass er in drei Jahren wachsen will, zahlt beim späteren Umzug doppelt: einmal für den Baukasten, einmal für den Neubau.

Die Domain dagegen bleibt Ihnen in jedem Fall — sofern sie auf Sie registriert ist. Warum das der wichtigste Punkt von allen ist, habe ich im Artikel zu Nutzungsrechten beschrieben.

Wix und Jimdo sind nicht dasselbe

Beide werden gern in einen Topf geworfen. Für ein deutsches Unternehmen gibt es aber einen spürbaren Unterschied.

Jimdo ist ein Anbieter aus Hamburg. Den nach DSGVO notwendigen Vertrag zur Auftragsverarbeitung schließen Sie mit wenigen Klicks im Kundenbereich ab. Es gibt eine echte Cookie-Einwilligung mit Opt-in und einen Manager für Rechtstexte. Für jemanden ohne juristisches Vorwissen ist das eine erhebliche Entlastung.

Wix ist deutlich flexibler in der Gestaltung und stärker bei Onlineshops. Daten werden aber auch außerhalb der EU verarbeitet, und bei Impressum und Datenschutzerklärung sind Sie weitgehend auf sich gestellt.

Einfach gesagt: Jimdo ist die sicherere Wahl, wenn Sie sich mit Datenschutz nicht beschäftigen wollen. Wix ist die flexiblere, wenn Sie gestalterisch mehr wollen und die Rechtslage selbst im Blick behalten.

Was in jedem Fall auf die Seite gehört, steht im Artikel zu Impressum und DSGVO — das gilt beim Baukasten genauso.

Was es wirklich kostet

Der Vergleich »Abo gegen Einmalpreis« greift zu kurz. Rechnen wir ehrlich.

Ein Baukasten-Abo im mittleren Tarif liegt grob bei 20 bis 30 Euro im Monat — die genauen Preise ändern sich, prüfen Sie den aktuellen Stand beim Anbieter. Über drei Jahre sind das 720 bis 1.080 Euro.

Eine einfache entwickelte Seite beginnt bei 1.200 Euro einmalig. Danach fallen Hosting und Domain an, die bei schlichten Seiten günstig sind.

Auf dem Papier liegen beide Wege also in einer ähnlichen Größenordnung. Der eigentliche Unterschied steht in keiner Preistabelle:

Ihre eigene Zeit. Wer den Baukasten selbst befüllt, investiert Abende — oft deutlich mehr als erwartet, weil Texte, Bilder und Aufbau schwieriger sind, als die Vorlage vermuten lässt. Rechnen Sie diese Stunden zu Ihrem Stundensatz. Das Ergebnis überrascht die meisten.

Der spätere Umzug. Wenn Sie in drei Jahren doch wechseln, zahlen Sie den Neubau obendrauf.

Wie sich Preise für eine entwickelte Seite zusammensetzen, habe ich ausführlich aufgeschlüsselt.

Fünf Fragen, die entscheiden

Beantworten Sie diese ehrlich, dann ist die Wahl meist klar.

1. Wie lange soll die Seite halten? Unter zwei Jahren spricht viel für den Baukasten. Deutlich länger — für eine Entwicklung.

2. Wollen Sie selbst daran arbeiten? Wenn ja und mit Freude: Baukasten. Wenn es sich wie Pflicht anfühlt, wird die Seite verwaisen.

3. Brauchen Sie etwas, das nicht in der Vorlage vorkommt? Mehrere Sprachen, eine Buchung, eine Schnittstelle. Dann stoßen Sie an Grenzen.

4. Wie wichtig ist Google für Ihre Kunden? Wer über die Suche gefunden werden muss, profitiert von schnellen Ladezeiten und sauberer Technik.

5. Hängt Ihr Geschäft am ersten Eindruck? Bei Vertrauensberufen — Beratung, Handwerk mit hohem Auftragswert, Praxen — zählt, ob Sie wie viele andere aussehen.

Drei oder mehr Antworten in Richtung Entwicklung? Dann lohnt sich ein Gespräch. Wie Sie sich darauf vorbereiten, damit es schnell und günstig wird, steht im Artikel zur Projektvorbereitung.

Und wenn Sie wissen wollen, wie sich eine Entwicklung von einem klassischen CMS unterscheidet, lesen Sie den Vergleich von WordPress und Next.js.

Häufige Fragen

Ist Jimdo wirklich DSGVO-konform? Jimdo macht es Ihnen deutlich leichter als die meisten Baukästen: Hamburger Anbieter, Vertrag zur Auftragsverarbeitung im Kundenbereich, echte Cookie-Einwilligung, Rechtstexte-Manager. Die Verantwortung für den Inhalt Ihrer Seite bleibt trotzdem bei Ihnen.

Kann ich eine Wix-Seite später zu einem anderen Anbieter umziehen? Nein. Wix erlaubt weder den Export der Website noch den Betrieb bei einem anderen Hoster. Wer wechselt, baut die Seite neu und überträgt Texte und Bilder von Hand.

Ist ein Baukasten schlechter für Google? Nicht grundsätzlich. Baukästen laden aber oft mehr Code als nötig, was die Ladezeit verschlechtert — und die fließt ins Ranking ein. Für eine Visitenkarte ohne starken Wettbewerb spielt das selten eine große Rolle.

Was ist günstiger — Baukasten oder Webdesigner? Über drei Jahre liegen beide oft in ähnlicher Größenordnung. Der Unterschied liegt in Ihrer eigenen Arbeitszeit beim Baukasten und in den Kosten eines späteren Umzugs, falls die Seite wachsen soll.

Behalte ich meine Domain, wenn ich den Baukasten verlasse? Ja, sofern sie auf Sie registriert ist. Prüfen Sie das beim Anlegen. Die Domain ist der einzige Teil, der sich nicht ersetzen lässt.

Kann ich mit einem Baukasten starten und später wechseln? Ja, das ist ein legitimer Weg — solange Sie wissen, dass der Wechsel einen Neubau bedeutet. Für eine Test-Phase ist das oft die klügste Reihenfolge.

Kurz zusammengefasst

Ein Baukasten ist keine schlechte Wahl. Er ist eine Wahl für eine bestimmte Lage: schlichte Seite, wenig Änderungen, begrenzter Zeitraum oder Freude am Selbermachen.

Wer wachsen will, sollte wissen, dass der spätere Umzug einen Neubau bedeutet — und die Entscheidung entsprechend treffen. Nicht nach dem Preis am ersten Tag, sondern nach dem Bedarf im dritten Jahr.